Integration in Vielfalt

Die Wochen der Vielfalt neigen sich dem Ende zu. Auf der Facebook-Seite des Memminger Tourismusamtes gab es über 700 Reaktionen – zum Teil heftiger Art – dagegen. „Eure Vielfalt kotzt mich an“, „Vielfalt in Deutschland bedeutet Tod, meist durch Messer“, usw.

In dieser emotional aufgeheizten Atmosphäre ist es schwierig zu argumentieren. Es soll hier trotzdem versucht werden. Es sollen positive Beispiele gezeigt werden in Memmingen und anderswo.

Der größte Teil der Menschen mit Migrationshintergrund (99,9%) ist hier, weil wir sie zum Arbeiten brauchen. Sie wurden beginnend in den 60-er Jahren in der Türkei und anderen Ländern angeworben. Alle diese Menschen tragen zu unserem Wohlstand bei. Der größte Teil stammt aus der Türkei, deshalb ist der Islam als Religion inzwischen eine Realität in Deutschland.

Der BDA – Bund deutscher Arbeitgeber – setzt sich für Vielfalt ein. Unter dem Titel „Vielfalt ist für die Wirtschaft von strategischer Bedeutung“ schreibt er: “ Die Wirtschaft lebt von den Fähigkeiten, dem Wissen und der Kreativität aller Beschäftigten, gleich welcher Herkunft, welchen Geschlechtes, welcher sexuellen Orientierung oder welcher Religion sie sind. Die Vielfalt von Belegschaften wird zunehmend als Erfolgsfaktor in Unternehmen erkannt.“

Momentan fehlen geschätzt weit über 500.000 Arbeitskräfte in Deutschland, geschätzt 200.000 in medizinischen Berufen und im Pflegebereich, geschätzt 40.000 Ärzte. So laufen aktuell wieder in vielen Ländern z.B. in Mittelamerika Anwerbemaßnahmen.

Die überwiegende große Mehrzahl der hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund ist friedlich. Die Kriminalitätsrate geht insgesamt zurück, sie muss allerdings genauer differenziert werden. Dies werden wir in einem eigenen Artikel in den nächsten Wochen hier vorstellen. Die islamistisch motivierten Morde in Deutschland sind jeder für sich tragisch aber in der Anzahl recht gering. So wurden 2023 ca. 22 Morde dem Islamischen Terror zugerechnet. Im gleichen Jahr 2023 wurde 265 Frauen ermordet, meistens als Beziehungstat, es gab 205.028 häusliche Gewalt gegen Frauen. Es kamen knapp. 3000 Menschen im Autoverkehr ums Leben, knapp 1000 wegen Überhöhter Geschwindigkeit. Hier würde ein Tempolimit viele Menschenleben retten. Jeder Tote ist zu viel, und jeder Mord ist zu viel. Aber es scheint: Mord ist nicht gleich Mord. Die einen werden instrumentalisiert, die anderen einfach in Kauf genommen.

Es gilt: alle Menschen, die hier in Deutschland leben, haben sich an das Grundgesetz und die deutschen Gesetzte zu halten, egal welcher Nation, welcher Religion, oder welcher sonstigen Orientierung auch immer. Und alle Menschen, die sich nicht daran halten, werden nach deutschem Recht bestraft, egal welcher Nation, welcher Religion, oder welcher sonstigen Orientierung auch immer.

Zu den geflüchteten Menschen: wir können nicht alle Menschen, die auf der Flucht sind, aufnehmen – müssen wir auch nicht, die allermeisten Menschen fliehen jeweils in die Nachbarländer. Wir können auch nicht alle aufnehmen, die den Weg nach Europa finden. Da bräuchte es mehr Solidarität unter den europäischen Nationen. Wir müssen tatsächlich überlegen, wie wir die Zahl der Flüchtlinge nach Europa einschränken können. Das ist ein schwieriges und nicht einfach zu lösendes Problem.

Wir müssen aber alle Menschen, die den Weg zu uns finden, mit Würde und Menschenrecht begegnen. Alle müssen sofort die Möglichkeit habe, deutsch zu lernen und Arbeit aufzunehmen. Viele Probleme wären damit gelöst oder abgeschwächt. Und dem deutschen Arbeitsmarkt wäre geholfen.

Das Fest der Kulturen fand dieses Jahr auf dem Schrannenplatz statt, da der Weinmarkt wegen Baumaßnahmen gesperrt war. Es war unserer Einschätzung und den Rückmeldungen der Betreiber nach ein großer Erfolg. Wir schätzen dass es im Lauf des Tages weit mehr als 1500 Besucher*innen waren. Die 250 Plätze an den Tischen vor der Bühne waren durchgehend gut besetzt, am Nachmittag teilweise ziemlich voll. Und vor den Ständen waren auch immer Viele. Die Stimmung war wirklich gut. Wir bekamen viel positive Rückmeldung.

Das Programm auf der Bühne wurde gut angenommen, die Essenstände reichten von italienisch, afrikanisch türkisch bis zu albanisch und brasilianisch. Von den Essenständen hörten wir mehrfach die Meinung, dass der Umsatz geringer war wie die letzten Jahre

Neu war ein Getränke-Mobil, das von der evangelischen Jugend betrieben wurde. War bei der Hitze auch nötig und wurde gut angenommen.

Wir hörten öfter die Meinung, dass der Schrannenplatz besser geeignet ist als der Weinmarkt, aber auch andere Meinungen hörten wir. Bei der Auswertung werden wir diesem Punkt genau nachgehen.

Der Schrannenplatz ist großzügiger, weitläufiger und mit dem Wasser für Kinder spannend. Durch das viele Pflaster und die wenigen Bäume auch sehr heiss. Die Großzügikeiet hat Vor- und Nachteile. Nachteil ist, dass sich alles mehr „verläuft“ und nicht so konzentriert vor der Bühne ist.

Auf dem Weinmarkt gibt es durch die zentrale Lage noch wesentlich mehr Lauf-Publikum. Und da die Essenssständen an der Kreuzung zur Kramerstraße liegen, läuft jede*r an den Essständen vorbei und bleibt dann auch mal stehen. Das ist am Schrannenplatz deutlich weniger.

Wie gesagt: wir werden das genau Auswerten und dann in enger Absprache mit den Ständen für nächstes Jahr entscheiden. 2025 sind auch 500 Jahre Bauernartikel, da wird man dann eventuell andere Aspekte miteinbeziehen.

Die „2. Memminger Wochen der Vielfalt“ gehen zu Ende. In schwierigen Zeiten konnte wieder ein Zeichen gesetzt werden für ein friedliches Zusammenleben vieler Nationen und Religionen in Memmingen. Sich kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen ist unserer Meinung nach der einzige Weg, die vorhandene Vielfalt zu einer friedlichen Stadtgesellschaft zu formen.

Die Münchner Ausländerbehörde wird umbenannt, sie heißt in Zukunft „Servicestelle für Zuwanderung und Einbürgerung“. Oder auf Englisch, der Sprache, die die meisten Zuwanderungswilligen verstehen dürften: „Service Office for Immigration and Citizenship“. Auch andere Städte haben das Ausländeramt umbenannt: Bremen zum Beispiel in Migrationsamt, Nürnberg in Amt für Migration und Integration.

Es gab in der Diskussion im Stadtrat in München natürlich unterschiedliche Meinungen:

  •  die Stadt lege jetzt Wert auf eine Willkommenskultur und auf einen Dienstleistungscharakter
  • es sei ein positives Zeichen für Menschen, die seit Jahrzehnten hier leben
  • der Begriff „Ausländer“ sei nicht mehr zeitgemäß , weil damit im Grunde Menschen gemeint seien, die nicht dauerhaft im Land leben
  • aber es sei in den grundlegenden Bundesgesetzen weiterhin von „Ausländern“ die Rede insofern sei die Namensänderung „verwirrend“.
  • Zudem sei der Begriff „zu einseitig“, weil zu den Aufgaben der Servicestelle auch künftig Abschiebungen gehören
  • „Servicestelle für Zuwanderung und Einbürgerung“ gehe nicht leicht von der Zunge, er sei zu kompliziert

Wir werden überlegen, ob und wie wir das in Memmingen diskutieren können.

Der Verband der Islamischen Kulturzentren e.V, Eduard-Flach-Str. 3 will seine Moschee erweitern, um mehr Platz für Gruppen und Unterricht zu haben. Wir werden immer wieder angesprochen, dass sie dort Koranschulungen machen und kein Interesse an Integration haben. Das ist erste ja mal nicht verwerflich, in den Schulen gibt es katholischen und evangelischen Religionsunterricht. und in den Kirchen bei uns gibt es auch Bibelunterricht. Wir fordern Ethikunterricht an den Schulen für alle, dann kann der „Religionsunterricht“ bei den Kirchen stattfinden. Es wird ja immer gleich unterstellt, dass da „Islamisten“ herangezogen werden. Wir sehen da in Memmingen keine Anzeichen, kann aber auch immer sein. Wir denken, dass es bei den türkischen Mitbürger eine ähnliche Verteilung zwischen Rechts und Links und Rechtsradikalen (graue Wölfe) gibt wie in der deutschen Bevölkerung. Und Koranunterricht hat mit fehlender Integration nichts zu tun. Da wird Integration mir Assimilation verwechselt. Gerade die eigene Religion gleichberechtigt ausüben zu können, ermöglicht erst Integration. Je mehr versucht wird, den Koran auszugrenzen, desto mehr grenzen sich die muslimischen Mitbürger aus.