Amazon – zum Ersten

Es ist wie beim Versteigern: Amazon will am Memminger Flughafen ein Verteilerzentrum bauen. Das wissen wir jetzt als erstes. Ohne sonst viele weitere Fakten zu haben. Es wird sicher ein Zweites und ein Drittes geben, und dann wird der Hammer gefallen sein!

Wir Die Linke. Memmingen sind GEGEN die Ansiedelung von Amazon in Memmingen.

Dafür gibt es viele gute Gründe:

  • Der Anteil von Speditionen (wenn denn Amazon eine Spedition ist) ist in Memmingen jetzt schon besonders hoch. Sie verbrauchen viel Fläche und bieten wenig Arbeitsplätze die meisten mit geringer Qualifikation.
  • wir diskutieren in Memmingen viel über die Stärkung des Einzelhandels bzw. was dem Einzelhandel schadet: der Internethandel (und da Amazon) sind ein wesentlicher Grund warum die Innenstädte immer mehr Probleme bekommen
  • Es besteht die Gefahr, dass als Folge das Nachtflug-Verbot am Memminger Flughafen aufgehoben wird
  • Amazon weigert sich mit den Gewerkschaften Tarifverträge abzuschließen, zahlt die Arbeiter schlecht und setzt sie massiv unter Druck, spioniert sie mit interner Software aus (siehe unten bei Ver.di)
  • Amazon „betreibt Steuervermeidung (Zitat Weirather, ehemaliger Landrat Unterallgäu in Memminger Zeitung)

Presseerklärung Die Linke Allgäu und Memmingen

Kein „Gewinn“ mit  der Ansiedlung von Amazon in Memmingen – kritisieren MdB Susanne Ferschl und der Memminger Stadtrat Rupert Reisinger, Die LINKE. im Allgäu

„Es sprechen eine ganze Reihe von Gründen gegen das geplante Amazon Verteilerzentrum in Memmingen. Nur weil ein Grundstück verwertbar wird und Arbeitsplätze geschaffen werden, bedeutet dies kein Plus für das Allgäu“ kritisiert Susanne Ferschl, Allgäuer Bundestagsabgeordnete, das geplante Vorhaben eines Amazon Verteilerzentrums. Ferschl weiter:
„Amazon ist nicht tarifgebunden, achtet nicht auf Arbeits – und Gesundheitsschutz und zahlt zudem fast keine Gewerbesteuer. Außerdem ist Amazon einer der größten Konkurrenten des Einzelhandels und macht diesen regelrecht kaputt. Die Innenstädte sind unter anderem Corona bedingt kurz vor dem Aussterben, da gilt es den Einzelhandel zu stärken und nicht einen Online-Versandhändler der ohnehin schon Wettbewerbsvorteile hat. Und auch wenn Kaufbeurens Oberbürgermeister Bosse das Zentrum befürwortet, muss der CSU endlich klar werden, dass nicht sozial ist, was Arbeit schafft, sondern was gute Arbeit schafft.“
Auch der Memminger Stadtrat der LINKEN Rupert Reisinger lehnt den geplanten Bau ab: „Memmingen hat kaum noch Grundstücke um Firmen anzusiedeln und die Stadt wird jetzt schon von Logistikfirmen geprägt mit viel Platzbedarf und wenig Beschäftigten und die im unteren Lohnsektor. Ziel einer innovativen Industriepolitik muss es sein Firmen zu gewinnen, deren Forschung und Produkte innovativ in die Zukunft weisen. Wir Memminger Linken werden sicher nicht dazu beitragen, den Internet-Handel zu fördern.“

und in der Zeitung:

Memminger Zeitung 10.12.20

Was ist bisher bekannt

  • es soll an sechs Tagen einen Drei-Schicht Betrieb geben (24 Stunden)
  • es sollen ca. 140 Menschen dort arbeiten, meistens ohne Ausbildung
  • Anlieferung alles nachts
  • Auslieferung tagsüber
  • Zusammenarbeit mit Express- und Kurierdiensten
  • „Amazon zahlt auch Gewerbesteuer“ (Zitat Memminger Zeitung) – das muss scheinbar eigens betont werden.
  • sie wollen ein guter Nachbar sein

Und es soll alles sehr schnell gehen. Diese Woche im Haupt-und Finanzausschuss in Memmingen, dann noch vor Weihnachten weitere Gespräche.

Amazon und wir

Das Wachstum und die Zahlen von Amazon sagen vor allem eins: es liegt schon in erster Linie an „uns“ Bürger*innen!. So lange so viele Menschen bei Amazon einkaufen, wird der Online-Händler weiter wachsen. Und es ist kein Grund absehbar, dass sich das in naher Zukunft ändern wird

Wenn Amazon weiter wächst, wird es auch weitere Verteilerzentren brauchen und sie werden auch gebaut werden.

Memmingen ist mit seiner Lage am Autobahnkreuz und seinem Regionalflughafen Anziehungsmagnet für alle Spediditionen – siehe auch Dachser. Dachser will auch ein weiteres riesiges Hochregallager bauen (dazu diese Woche mehr Informationen)

Es sagt uns aber auch, dass der Einzelhandel in den Städten neue Wege finden muss, den „Klick“ in der Stadt zu halten.

Was bedeutet das für Memmingen

Die Stadt Memmingen hat einen wesentlichen Schwerpunkt im produzierenden Gewerbe und daher viele Arbeitsplätze mit geringer oder keiner Ausbildung und wenige Arbeitsplätze mit hoher Qualifikation.

Alle Logistikfirmen, für die Memmingen wegen der Lage am Autobahnkreuz optimal ist, verstärken diese Problematik. Sei es wenn Dachser (wie jetzt auch) stark ausbreiten will oder wenn Amazon nach Memmingen kommen will.

Im „integrierten Stadtentwicklungskonzept ISEK“ wurde dies erkannt und Maßnahmen dagegen empfohlen. Es ist eine Industriepolitik nötig, die Firmen nach Memmingen bringt, die zukunftsweisend sind, die im Verhältnis zu Fläche mehr Mitarbeiter brauchen und dann auch noch höher qualifizierte Mitarbeiter.

Diese Kriterien erfüllt weder Dachser (da kann man zumindest argumentieren, dass sie bereits seit vielen Jahren in Memmingen ansässig sind) und noch weniger Amazon.

Ein für Memmingen sinnvolle Wirtschaftspolitik müsste anders ausschauen. Auch und gerade im Interesse des Einzelhandels. Amazon trägt wesentlich dazu bei, dass die Innenstädte immer mehr veröden (neben vielen anderen Gründen).

Amazon und seine Mitarbeiter*innen

Es gibt von den Gewerkschaften immer wieder heftige Vorwürfe gegen Amazon. Mitarbeiter werden schlecht bezahlt, sie werden mit interner Software bespitzelt. Ver.di organisiert immer wieder Streiks.

ver.di streikt seit mehr als sieben Jahren für die Anerkennung des Flächentarifvertrages
des Einzel- und Versandhandels. Amazon lehnt dies mit der Behauptung ab, kein
Einzelhändler, sondern ein Logistiker zu sein. Einer tariflichen Vereinbarung in der
Logistik verweigert sich das Unternehmen allerdings auch. Interessant ist, dass Amazon
in den USA das Gegenteil behauptet und damit wirbt, ein Einzelhändler und kein
Logistiker zu sein.“
(aus Unternehmensanalyse Amazon von Ver.di)

  • HIER Ver.di und Amazon
  • HIER Tagesspiegel: Amazon und die Macht der schieren Größe (deutliche Marktverschiebung zu Ungunsten kleinerer Händler. Schon im zweiten Halbjahr 2019 war der US-Konzern dreimal so schnell gewachsen wie der deutsche Einzelhandel)

Amazon und Allgäu Airport Memmingen

Besonders interessant ist die Tatsache, dass sich Amazon am Memminger Flughafen ansiedeln will.

Da waren zum einen die Grundstückgeschäfte am Flughafen. Unterallgäu, Oberallgäu, Ostallgäu und kreisfreien Städte Memmingen und Kaufbeuren, sowie der Kreis Neu-Ulm kauften für ca. 7,2 Millionen Euro Gewerbegrundstücke, um dem Flughafen finanziell zu helfen. Der Anteil von Memmingen und dem Unterallgäu lagt bei ca. jeweils 1,8 Millionen. Wegen der Beteiligung von Memmingen an den Grundstücken muss über die Ansiedlung von Amazon auch in Memmingen entschieden werden.

  • HIER ein Artikel auf news.fact.eu zur ödp Memmingen, die ein Rechtsgutachten fordert
  • HIER Bürger gegen Fluglärm

Zum anderen könnte es auch um das Nachtflugverbot am Memminger Flughafen gehen. Bisher besteht ein Nachtflugverbot zwischen 22:00 uns 6:00 Uhr. Amazon könnte ein Interesse haben, dieses Nachtflugverbot zu kippen, um die Waren schneller und direkt nach Memmingen zu bringen.

Amazon in Zahlen (sicher nicht vollständig)

  • 84 Prozent der Deutschen haben auf dem Online-Marktplatz Amazon eingekauft.
  • Mit einem Gewinn in Höhe von rund 6,33 Milliarden US-Dollar schloss Amazon das dritte Quartal 2020 ab
  • Jahresumsatz 2019 von ca. 280 Milliarden US-Dollar
  • Das größte Angebot nach der US-Seite findet sich mit 26 Millionen Produkten auf Amazon.co.uk, gefolgt von Amazon.de mit 237 Millionen Produkten.
  • Am 12.12.2019 gingen 2,8 Millionen Produktbestellungen auf der deutschen Webseite des Online-Versandmarktführers ein
  • Amazon hat mehr als 175 Logistikzentren auf der ganzen Welt. Dadurch wird ein schneller Versand an die Kunden ermöglicht. In Europa sind es über 40 Logistikzentren, derzeit 13 davon in Deutschland.
  • Zum Ende des Jahres 2019 stieg die Zahl der Voll- und Teilzeitmitarbeiter nochmals auf einen Höchstwert von rund 798.000.
  • Amazon hat einen Umsatzanteil von 58% (Amazon Eigenhandel + Amazon Marktplatz) am gesamten Online-Einzelhandel.
  • Amazons Geschäft ruht auf 4 Säulen: Die größte Umsatzquelle Amazons ist der Online-Handel. Die zweite wichtige Einnahmequelle Amazons ist ihr Cloud-Computing. Unter dem Namen AWS (Amazon Web Service) werden 175 verschiedene Services rund um das Thema Datenspeicherung und Datenverarbeitung angeboten. Säule drei, Amazons Prime-Dienst gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Im Jahr 2019 konnte Amazon sich erstmals über 150 Millionen zahlende Prime-Mitglieder freuen. In zunehmenden Mass steigt Amazon in den Stationären-Handel ein – im Moment fast ausschliesslich in den USA.

HIER weitere Zahlen und weitere Informationen zu Amazon