Teil 4: Weinmarkt und das Auto

Land der Denker – Land der Lenker … oder umgekehrt!

Die Entscheidung über den Weinmarkt rückt näher. Im Plenum Mitte Dezember soll abgestimmt werden. Hier soll dem Verhältnis der Deutschen zum Auto nachgegangen werden.

Die Deutschen (und hier vor allem die Männer) haben einen „besonderes“ Verhältnis zum Auto. Mit dem absehbaren Ende des Verbrennungsmotors wird sich das ändern (müssen) Und das Verhältnis zum Auto hat sehr direkte Auswirkungen auf eine nötige Verkehrswende.

Ein Denker und das Land der Lenker

Der Philosoph Thomas Vašek (ein Denker ) hat nachgedacht über das „Land der Lenker“.

Hier einige Zitate:

„Das Auto wurde zwar in Deutschland erfunden, aber bis in die 30er-Jahre konnte von einem Auto-Boom in Deutschland überhaupt nicht die Rede sein. Man wollte damals schon die besten Autos bauen, nicht für die breite Masse, sondern man wollte die technische Perfektion realisieren.“

„Ich glaube, dass das Auto in Deutschland im Unterschied zu anderen Ländern immer etwas Selbstzweckhaftes ist. Es gibt das berühmte Diktum von Richard Wagner, wenn etwas deutsch ist, dann ist es, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun.“

Nirgendwo sonst werde das Auto so als Ausdruck eigener Individualität betrachtet und die freie Fahrt auf der Autobahn derart mit Freiheit verwechselt. Vašek sieht in dieser Überhöhung des Autos ein Erbe der deutschen Romantik: „Das Romantische besteht ja ganz wesentlich in der Verklärung. Angewandt auf das Automobil, einen kühlen, technischen Gegenstand zu überhöhen zu etwas geradezu Magischem. Und das scheint mir charakteristisch für das Verhältnis vieler Deutscher zum Auto.“

  • HIER Deutschlandfunk Kultur: warum verklären so viele Deutsche ihr Auto
  • HIER „Hohe Luft“ – Philosophie Magazin (Herausgeber Thomas Vašek – äusserst lesenswert und optisch wunderschön).

Der Abschied vom Fetisch Auto erfordert nicht weniger, so Vašek, als die Neuerfindung des Landes.

Land der Lenker und was es den Menschen wert ist ….

Kauf, Sprit oder Waschstraße – wer sich ein Auto zulegt, gibt viel Geld aus. Ein fahrbarer Untersatz ist eine Investition, die gewaltig ist und eigentlich gut überlegt sein sollte. Laut einer Statistik im Jahresband „Autofahren in Deutschland“, toppt nur der Kauf / Miete einer Immobilie die Anschaffungskosten eines Autos.

In ihrem Leben fahren die Deutschen demnach 54 Jahre lang Auto und kaufen drei Neu– und fünf Gebrauchtwagen.

  • Gesamtkosten: 332.000 €
  • Kauf: 116.900 €
  • Sprit: 78.900 €
  • Versicherung / Steuern: 58.100 
  • Garage: 20.300 
  • Waschen / Pflege: 16.900 €
  • Wartung: 13.000 €

Bemerkenswert: die laufenden Kosten sind deutlich höher als die Anschaffungskosten. Und: für Waschen / Pflege wir mehr Geld ausgegeben als für Wartung.

  • HIER – so viel ist den Deutschen im Leben ihr Auto wert
  • HIER: Der Deutsche und sein Auto: Lasst uns ehrlich sein, der deutsche Mann liebt Maschinen.
  • HIER – Die Deutschen müssen ihr Auto los werden

… und was es für die Umwelt bedeutet

Autos tragen neben dem Beheizen der Häuser wesentlich zur Umweltverschmutzung bei. Das Umweltbundesamt nennt folgende Zahlen:

  • Flächenverbrauch: 2018 waren es 18.047 km² oder 5,05 % der Gesamtfläche – Zuwachs von 1992 und 2018: 10 %
  • Energieverbrauch: 2018 Primärenergieverbrauch des Verkehrssektors 3.655,5 Petajoule (PJ) – Zuwachs um 18,5 % seit 1995.
  • Umweltbelastung: Ausstoß von Luftschadstoffen wie Stickstoffdioxid, NMVOC, Feinstaub oder Kohlenmonoxid 
  • Verkehrslärm: Straßenverkehr als Hauptlärmquelle steht mit Abstand im Vordergrund.
  • HIER Umweltbundesamt: Umweltbelastungen durch den Verkehr (genaue Erläuterung zu den Punkten oben)
  • HIER Luftverschmutzung durch das Auto

Der Deutschen liebste Fortbewegung …

  • Auto: 76% täglich oder öfter die Woche – aber immerhin 17% gar nicht
  • Fahrrad: 39% täglich oder öfter die Woche – aber auch 32% niemals
  • ÖPNV: 23% täglich oder öfter die Woche – aber 30% gar nicht

Dies ist sicher von Land zu Stadt ganz unterschiedlich und ändert sich dynamisch weiter. In Städten wird das Fahrrad und der ÖPNV zunehmend zum Verkehrsmittel Nr. 1.

HIER – Verkehrsministerium: Mobilität in Deutschland

… und wann sie auf ihr „Liebstes“ verzichten würden

Damit mehr Menschen auf das Auto verzichten, wird ein breites Bündel an Maßnahmen nötig sein. Und es muss viel mehr in unsere Köpfe, dass ein Auto oft praktisch und nicht ersetzbar ist, aber es muss nicht unser eigenes Auto sein.

  • Dazu gehört zuerst der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Tickets müssen einheitlicher und billiger werden.
  • Und die Taktung muss besser werden (für 29% ist das wichtig)
  • Die Fahrradwege müssen weiter ausgebaut werden und die Infrastruktur für Fahrräder (Abstellplätze…)
  • Carsharing (vor allem auch auf dem Land) muss weiter ausgebaut und billiger werden und einfacher zu handhaben sein (für 17% ist das wichtig)
  • Autos mit Verbrennungsmotoren müssen schneller durch E-Autos ersetzt werden

Hier Wann die Deutschen auf Ihr Auto Verzichten würden

Vorteile / Nachteile Auto: „Wozu ein Auto, ich geniesse mein Leben in vollen Zügen“

Auto (und Geschwindigkeit) haben bei uns in Deutschland einen besonderen Stellenwert. Dies zeigt die Diskussion um eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung, die in allen anderen Ländern selbstverständlich ist. Auto ist ein Statussymbol. Und die individuellen Vorteile (die jeder täglich erlebt) überwiegen die abstrakten Nachteile (die noch dazu in der Zukunft liegen). Trotzdem steigt der Anteil der jungen Menschen, die kein Auto besitzen.

Das Auto hat auf jeden Fall viele Vorteile …

  • Es ist immer und sofort für mich verfügbar. Ich muss nicht warten und auf Zeiten achten. Dies führt dazu, dass bei Familien oft jedes Mitglied über 18 ein Auto besitzt, um sich nicht in der Familie absprechen zu müssen.
  • Man kommt an jeden Ort
  • Alles ist leicht zu transportieren
  • Wenn kein Bus fährt, einzige Möglichkeit wohin zu kommen
  • Ausflüge an alle Orte und zu alten Zeiten sind möglich
  • viele Berufe benötigen ein Auto
  • keine Mitreisenden (bis auf oft nervige Kinder)
  • Gefühl der Freiheit (wo hat man das noch, nachdem es die Marlboro-Werbung nicht mehr gibt)
  • „Rausch“ der Geschwindigkeit

… und viele Nachteile

  • viele Unfälle, viele Tode, viele Verletzte
  • Hohe Kosten in der Anschaffung
  • Hohe Kosten in der Benutzung (Benzin, Versicherung, Reparaturen..)
  • teurer Führerschein
  • teure Parkplätze
  • Hohe sonstige Investitionen: Garage…
  • Hohe Umweltbelastung
  • Hoher öffentlicher Flächenverbrauch für Straßen und Parkplätze
  • teurer Straßenbau und Unterhalt der Straßen
  • Hohe Subventionen auf vielen Gebieten
  • und viele Lebensstunden im Stau

… Und was kostet eine „Verkehrswende“ und für wen?

Für die Bürger*innen wäre der Verzicht auf ein eigenes Auto zuerst tatsächlich eine finanzielle Entlastung: wenn wir die lebenslangen Kosten des Autos von 332.000€ umrechnen sind das 512,35€ im Monat. Die tatsächliche Ersparnis hängt dann von den ÖPNV Kosten ab.

Im Gegensatz „kostet“ es dann für die Bürger*innen mehr Zeit.

Für die öffentliche Hand kostet die Verkehrswende Geld – viel Geld. Auch für die einzelnen Kommunen. Das Geld in den Kommunen ist knapp – wobei die Städte im Süden (und hier auch Memmingen) gut da stehen.

Dagegen „gewinnt“ die Gesellschaft mehr Umweltschutz und trägt zur Erhaltung unseres Planeten bei.

Apropos Geld:

Das Auto und Die Linke.

Es geht uns keineswegs darum, das Auto zu verteufeln. Wir wissen, dass viele Menschen auf das Auto angewiesen sind, vor allem auf dem Land. Wir wissen auch wie viel das Auto zur Lebensqualität beitragen kann.

Anderseits wissen wir auch, wie viele Nachteile das Auto und der Individualverkehr hat.

Die entscheidende Frage ist: wie kann ich persönliche Freiheit und Lebensqualität clever mit einer umweltverträglichen Mobilität erreichen?

Wir wünschen uns:

  • dass wir einerseits über unser Verhalten nachdenken: wie viel Auto brauche ich und wie oft muss ich fahren und gibt es Alternativen
  • für und Linke ist die „soziale“ Frage immer im Mittelpunkt: was geschieht mit den Arbeiter*innen in der deutschen Autoindustrie und den Zulieferfirmen.
  • es darf nicht zu Kosten der Menschen gehen, die auf das Auto angewiesen sind.
  • dass wir anderseits über eine andere Gewichtung der Mobilität nachdenken: wir brauchen andere politische Entscheidungen.

HIER – Die Linke: Mobilitätswende und sozial-ökologische Transformation der Autoindustrie

Zitat: „Notwendig ist eine sozial gerechte Mobilitätspolitik der zwei Geschwindigkeiten: In den Großstädten kann innerhalb von fünf Jahren eine Mehrheit vom Auto unabhängig werden, in ländlichen Regionen werden die Menschen noch einige Jahre länger auf regelmäßige Autonutzung angewiesen sein.“

Auto mal Lustig … „Ich bin gegen RASEN auf Autobahnen, wer soll das alles mähen!“

Unser „bayerischer Philosoph“: Was sich heut auf unseren Straßen herumtreibt – das geht von der Wildsau bis zum Fußgänger.
Wann entwickeln wir endlich einen besseren Verkehrsminister?