Energie (sparen)

„25 Prozent der Wärmeenergie ließen sich durch einen Gang in den Heizungskeller sparen – Windräder und Wärmepumpen allein werden die deutschen Energieprobleme nicht lösen, sagt Lamia Messari-Becker, Professorin für nachhaltiges Bauen. Sie plädiert für mehr Kreativität beim Klimaschutz, einen Umbau des Gebäudesektors und ein Ende der Verzichtsdebatte.“

HIER mehr Indormationen zu Frau Lamia Messari-Becker

HIER ein interessanter Artikel im Manager-Magazin – und hier die wichtigsten Punkte (ergänzt von uns)

Was jede:r sofort tun kann

  • 29 % des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf Privathaushalte
  • 320 Euro Stromkosten im Jahr kann ein Haushalt in einem Mehrfamilienhaus sparen. In einem Einfamilienhaus sogar 410 Euro pro Jahr!
  • 67 % unseres Energieverbrauchs im Haushalt benötigen wir fürs Heizen. Die größten Einsparpotenziale liegen also im Heizen und Warmwasser.

Heizung / Warmwasser

  • zuerst mal den Energieverbrauch kennen und vergleichen.
  • wirklich der Gang in den Keller: vom Heizungsinstallateur die Heizung neu einstellen lassen und warten lassen (15 Prozent Energiekosten) – z.B. wenn wir nicht zu Hause sind oder nachts , Temperatur absenken: ein paar Grad reicht schon, nicht zu viel ansonsten braucht es zum Aufheizen viel Energie
  • Vorlauftemperatur der Heizung generell absenken und Raumtemperatur absenken: Denn bereits ein Grad weniger spart bis zu sechs Prozent Energie
  • Warmwassertemperatur niedriger einstellen (ACHTUNG Legionellen – einmal die Woche kurz auf 80° aufheizen
  • Wichtig: Heizkörper brauchen Freiheit – keine Vorhänge und Möbel vor Heizkörpern
  • Duschköpfe austauschen: es gibt wassersparende Duschköpfe mit deutlich weniger Durchfluss bei gleichem Komfort
  • Im WC nur Kaltwasser: Händewachen geht auch mit Seife und kaltem Wasser (bis das warme Wasser kommt ist man in der Regel fertig)
  • Fenster: Alle Fenster im Haus einstellen lassen und Dichtungen prüfen, eventuell erneuern.
  • Lüften: Heizung kurz ausschalten, Fenster weit öffnen, Innentüren ebenfalls aufmachen – und so einmal ordentlich für fünf bis zehn Minuten durch- und im Idealfall mit geöffneten Türen querlüften.
  • Verzicht / weniger Komfort: Duschen statt Baden – kürzer Duschen und mit geringerer Temperatur

Strom

Die größten Stromverbraucher:

  • Informationstechnik, TV, Audio: 28 %: macht inzwischen einen großen Teil aus. Geräte immer ausschalten, wenn sie nicht benötigt werden
  • Waschen und Trocknen: 14 %: Waschmaschinen ganz voll machen – Trocknen an der frischen Luft
  • Licht: 13 %: nach und nach auf LED Lampen umrüsten und Licht nur anmachen wenn benötigt
  • Kühl- und Gefriergeräte: 11 %: wenn es bereits alte Geräte sind, überlegen neue anzuschaffen mit höchster Energieeffizeinz, 7 Grad im Kühlschrank reichen
  • Kochen: 9 %: genau schauen, dass die Töpfe zu Platte passen, Deckel auf den Topf setzen: Kochen mit Deckel kann den Energieverbrauch um bis zu zwei Drittel reduzieren, Herd früher ausschalten: Wenn wir bereits kurz vor Ende des Garvorgangs den Herd ausstellen, sparen wir Energie (außer beim Induktionsherd). Die Restwärme ist meist stärker als angenommen.
  • Spülen: 8 %: Im Vergleich zur Handwäsche ist der Geschirrspüler tatsächlich nachhaltiger. Mit ihm können wir bis zu 50 Prozent der Energie und 30 Prozent des Wassers einsparen. Denn die Maschine nutzt das Wasser sparsamer als die Spülhände. Wir lassen mehr Wasser ins Becken einlaufen, als die Maschine nutzt. Noch effizienter wird es mit dem Ökoprogramm anstelle des Kurzprogramms.
  • Sonstiges: 17 %

Hier ist es notwendig, lang gepflegte Gewohnheiten abzulegen

Energie – die Herausforderung

Aus dem Interview mit Frau Prof. Messari-Becker

Deutschland verbrauchte 2020 rund 2330 Terawattstunden. Davon macht Strom als Energieform nur 20 Prozent aus, der Rest verteilt sich auf Wärme und Treibstoffe. Die meiste Energie brauchen demnach Gebäude (Herstellung und Heizen) und der Verkehr.

Der alleinige Fokus auf Strom wird nicht funktionieren. Und die Abhängigkeit von (russischem) Gas wurde viel zu lange verfolgt (siehe auch Memmingen).

Wir brauchen eine diversifizierte Energiewende, Speichertechnik, Speicherinfrastruktur und eine echte Wärmewende. Es braucht: Solarthermie, Geothermie/Tiefengeothermie, Biomasse, auch Wasserstoff. Es braucht eine bessere Energieeffizienz (z.B. Wärme aus Abwasser).

Beim Strom sind wir bei einem Anteil der Erneuerbaren von 50 Prozent. Bei Wärme sind es 15 Prozent, beim Verkehr gerade mal sieben. Sieben! Man kann schlecht gedämmte Häuser nicht nur mit Strom (Wärmepumpen) heizen.

Es braucht Übergangslösungen und „hybride“ Lösungen: Gas wird es weiterhin brauchen, es macht auch keinen Sinn neue sparsame Gasgeräte zu ersetzten

Es braucht eine kluge Förderpolitik: Wer Energie spart und das Klima schützt, bekommt einen Bonus. Das können staatliche Zuschüsse sein oder Steuererleichterungen. Die Menschen sollen das selbst entscheiden mit guter Beratung.

Quartierslösungen sind Einzelgebäudelösungen weit überlegen, vieles lässt sich ökologischer, kostengünstiger und sozialverträglicher realisieren. Dazu gehören gemeinsame Sanierungen oder Energieversorgung, kommunale Wärme- und Mobilitätskonzepte. In vielen Kleinstädten gibt es Industriebetriebe, mit deren Abwärme sich ganze Ortsteile versorgen ließen.

Großes Problem ist die „schwerfällige“ Baubranche. Hier sind Lösungen nicht schnell zu erreichen. Und die Lösungen müssen sozialverträglich sein.

einige wichtige Punkte zur Baubranche

  • Bestand schützen und renovieren: es muss ein Ende haben, funktionsfähige Gebäude, weil sie abgeschrieben sind, abzureissen und neu zu bauen (in z.B. München häufig)
  • Abschreibung umstellen: wer renoviert kann schneller abschreiben wie bei Neubau
  • es braucht Intelligenz: nachhaltig und kostengünstig bauen. Dazu gibt es viele Beispiele.

Energie und Politker:innen

Es wäre doch so einfach: wir wissen was zu tun ist im Bereich Energie/Klima. Dann diskutieren wir in den Parlamenten und entscheiden.

So einfach ist es nun doch wieder nicht. Es gibt mehr als eine Meinung, obwohl sich beim Thema Klima immer mehr eine einheitliche Meinung herausstellt.

Dann haben wie eine große Freiheit der Betriebe/Konzerne und wenig Gestaltungskraft in der Politik. Es heisst immer noch, der Markt regelt das besser als politische Entscheidungen. Auch das stellt sich immer mehr als falsch heraus und wird zunehmend angezweifelt. Die hohen Benzinpreise z.B. macht nicht die Politik (obwohl ihr das immer wieder vorgeworfen wird). sondern die großen Konzern.

Und dann gibt es da noch die vielen „Berater“ der Politiker:innen. Lobbyismus heisser der Fachbegriff. LobbyControl deckt hier immer wieder vieles auf. HIER zum Nachlesen (und unterstützen).

LobbyControl

Bundesfinanzminister Christian Lindner sieht kein Problem: Er verteidigte zuletzt im ZDF-Sommerinterview seine engen Kontakte zum Chef von Porsche, für die er zu Recht in der Kritik steht. Zugleich schloss er es aus, sich mit einem Umweltverband auszutauschen, da er dessen Auffassung nicht teile. Diese Haltung ist für einen Bundesminister nicht tragbar.

Mitglieder der Bundesregierung sollten sich vielfältig informieren und auch die Argumente derjenigen ernsthaft anhören, die anderer Meinung sind. Ob sie das aber tun, ist für die Öffentlichkeit bisher kaum nachvollziehbar. Mit wem sich Regierungsmitglieder treffen, erfahren wir wenn überhaupt nur auf (parlamentarische) Nachfrage mit großer Zeitverzögerung und mit vielen Einschränkungen. Wir haben gesehen, in welche Extreme das führen kann: Der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kam in seiner Amtszeit auf mindestens 80 Treffen mit der Autolobby – aber lediglich auf eines mit Umweltverbänden.

Aus LobbyControl: Jetzt Lobbytreffen offen legen!

HIER zur Peditition